Caroline Ronsiek dokumentiert in einem kurzen Erlebnisbericht die Geschichte des Musicals

Caroline in Aktion

Wie alles begann

Nachdem im Frühjahr 2003 in den Kirchenbezirken Herford und Osnabrück der Neuapostolischen Kirche mit einigem Erfolg zwei Aufführungen des Kindermusicals „Der verlorene Sohn“ von Dagmar und Klaus Heizmann stattgefunden hatten, kamen nach und nach Anfragen, ob man nicht „mal wieder so etwas“ einüben könnte. Ich fing an zu stöbern, religiöse Musicals für Kinder – und landete erneut bei Heizmann. Musik und Texte sprachen mich nach wie vor an. Zeitgleich fiel mir ein Artikel in die Hände, der von Aufführungen des Kindermusicals „David & Goliat“ von Heizmann im Raum Frankfurt am Main berichtete. Ich nahm Kontakt mit der dortigen Verantwortlichen auf und erhielt ausführlich Auskunft. Ein erster Schritt war getan, das passende Stück gefunden.

 

Und wer macht mit?

Nun stellte sich die Frage: Wer macht mit? Zunächst war es wichtig, ein Team aufzubauen aus Kinderchorleitern und Musikern, die hoch motiviert waren. Enormer Zeiteinsatz und viel Geduld war Voraussetzung, um gemeinsam solch ein Projekt zu beginnen.

Mit den Kindern aus dem Kirchenbezirk Osnabrück alleine wäre es nicht möglich gewesen, dieses Musical einzuüben. Ich streckte deshalb meine Fühler aus Richtung Herford und Bielefeld und fragte an, ob Interesse bestünde, bei einem Kindermusical mitzuwirken. Natürlich hatte jeder seine eigenen Pläne, viele Bedenken vor und zurück. Einige Tage nach einem ersten Gespräch erreichte mich jedoch eine Mail, deren Inhalt einige Steine zum Kullern brachte und den ich niemandem vorenthalten möchte:

„Liebe Caroline,
wir haben viel gearbeitet... intensiv gekämpft... und sind uns einig:

Ja, wir wollen gerne mitmachen!

Die Chorlieder werden wir bis zum Jahresende 100%ig eingeübt haben, (…) Teile uns doch bitte mit, ob wir - bis zu unserem Treffen bei dir am 27. 01. in unserem Bezirk schon mal nach "Handwerkern" Ausschau halten sollen. Wir freuen uns auf den 27.01. und bringen mindestens 1 Flasche Rotwein mit.
Brigitte, Dirk, Ursel und Christiane“

 

Ein Plan – ein Team

Das erste gemeinsame Treffen unseres 11-köpfigen Teams hat uns mehr als eine Flasche Rotwein gekostet. Motiviert und begeistert sprudelten die Ideen nur so hervor, dass Danni, unsere rasende Reporterin, ihr Protokoll hinterher kaum selbst mehr lesen konnte. Galt es doch zunächst ein Konzept auszuarbeiten, dann Informationsschreiben an die Bezirksvorsteher der Gemeinden zu verfassen. Für interessierte Eltern und Kinder sollte ein Infonachmittag stattfinden, der musste geplant werden. „Wie proben wir, wenn die Anfahrtswege annehmbar bleiben sollen? An welchen Terminen und wo überhaupt können Aufführungen stattfinden, wie hoch werden die Kosten sein, wer kümmert sich um Technik für Bild und Ton,…“

Fünf Stunden später stand unser Konzept, Dirk erhob sich von seinem Sitzplatz, dem Schaukelpferd unserer Jüngsten und meinte: „Jetzt bin ich angekommen. Genug geritten.“

Für Samstag, den 25. 02. 2006 war unsere Infoveranstaltung geplant, in der wir Musik und Inhalte des Kindermusicals vorstellten. Es war spannend zu sehen wie die etwa 120 Besucher reagierten, erstaunt, überrascht. Begeistert wohl vor allem durch einen Gesangsvortrag von Davids Gebet, begleitet von Cello und Klavier. Doch wer würde sich nun wirklich anmelden um mitzumachen?

 

Gemeinschaft ganz vorne – ein Probentag

Die Proben von März bis Oktober, in denen vor allem die Chorstücke mit den Kindern einstudiert wurden, fanden in drei Bezirken getrennt statt. So konnten die Anfahrtswege relativ kurz gehalten werden. Natürlich war es für das Team eine ganz besondere Aufgabe, ständig in Kontakt zu bleiben, die Proben miteinander abzusprechen und das Konzept einzuhalten. Vor der ersten gemeinsamen Ganztagsprobe am 28.10. war klar, dass über 100 Kinder ihre Teilnahme zugesagt und bisher auch Durchhaltevermögen gezeigt hatten.

Über 100 Kinder und sechs Stunden Probe am Stück – geht nicht. Außerdem sollte dieser Tag den Kindern mehr bringen als neue Notenkenntnisse. Einen Tag gemeinsam mit Freunden verbringen, gemeinsam lachen, gemeinsam spielen, gemeinsam rennen, gemeinsam Würstchen und Schokoküsse futtern. Hohe Ziele an einen Tag, der von uns viel Motivation, intensive Vorbereitung, eine stabile Stimme und starke Nerven verlangte. Aber was für ein Gefühl, sie alle in der Kirche sitzen zu sehen, so neugierig und gespannt wie die Flitzebogen.

Allein das war die Arbeit bisher wert. Die Fünfjährigen, kauend auf ihren Fingernägeln, die „Großen“, 12, 13 Jahre alt, natürlich cool und abwartend. Nach kurzer Zeit war das Eis gebrochen und ein erster Durchlauf fügte alle zusammen.

Für die Mittagspause war ein großes Buffet aufgebaut, um alle hungrigen Mäuler zu stopfen. Das große Chaos blieb aus. In jeder Ecke saßen klein Grüppchen, redeten, spielten Jenga oder lümmelten auf einer großen Kuscheldecke. Es herrschte allgemein fröhliche Zufriedenheit.

Nachmittags ging es weiter mit Gruppenarbeit. Einzelne Passagen mussten vertieft, die Schauspieler erstmals zusammengeführt werden. Da meldete sich schon mal so ein Kleiner und fragte: „Wie lange noch?“

Na klar fragen sie, aber gemeckert wird nicht. Drei gemeinsame Probentage haben nun stattgefunden, drei haben wir noch. Einiges klappt schon ganz gut, viel ist noch zu tun. Bis zur Generalprobe vor der ersten Aufführung am 11. März 2007.

 

Von Heinzelmännchen und Schneiderlein

Mit den Proben alleine ist es aber noch nicht getan. Kostüme für alle Kinder müssen genäht werden, viele Requisiten sind notwendig, ein Bühnenbild brauchen wir. Was ist mit Licht- und Tontechnik, wer könnte Videoaufnahmen machen. Und wie machen wir unsere Aufführungen überhaupt publik, Werbung ist alles. Schließlich handelt es sich um ein Benefizkonzert unter dem Motto: „Kinder singen für Kinder“.

Im September 2006 fand deshalb ein so genanntes „Helfertreffen“ statt, zu dem alle eingeladen waren, die unser Projekt unterstützen wollten. Schnell bildete sich eine Gruppe, die das Nähen der Kostüme übernehmen wollte, ebenso wie für den Bereich des Kulissenbaus. Immer wieder war deutlich zu erkennen: Motivation und Begeisterung, um gemeinsam etwas zu erarbeiten und zu schaffen. Die Ergebnisse lassen sich sehen. Zwar stehen das Bühnenbild und die Kulissen eigentlich noch unter Verschluss, aber man munkelt von lebensgroßen Schafen …

Eines der Kostüme durfte ich selbst schon probetragen – so seidenfein...

Auch für den Bereich Technik und Werbung fand sich ein Team von drei fähigen Köpfen, die denselbigen sicher einige Nächte lang nicht in ein sanftes Ruhekissen gebettet haben. O-Ton: „Schlafen kann ich auch noch, wenn ich tot bin.“ Diesen Köpfen haben wir unter anderem auch diese Website zu verdanken – ein ehrliches Lob meinerseits!

 

Zwischenstand

Weiter geht es – jeder Tag bringt neue Infos, neue Ideen. Schon stellen sich Fragen nach einer vierten Aufführung, Fragen nach einer möglichen Veröffentlichung einer vielleicht aufgenommenen CD des noch nicht einmal bühnenreifen Kindermusicals „David & Goliat“ von Dagmar und Klaus Heizmann. Völlig überspannt oder eine beachtliche Reaktion auf Engagement und Begeisterung?