04.11.2007 
Zum Abschluss die Geschichte der "David und Goliat-Schafe"

 

Auf dem Lämmerhof herrscht geschäftiges Treiben. Bänke werden gestapelt, getragen, abgestellt, getragen und wieder anders gestapelt, Müllberge in Müllbeuteln abtransportiert, Toiletten und Waschbecken gereinigt, Scheunen gefegt, Bräter geschrubbt. Keiner zu sehen, der nichts zu tun hat.

Eine Gruppe lauter froher Menschen verstaut ganz merkwürdige Dinge in einem Fahrzeug: Schwerter und Schilde, Leinwände, wallende Gewänder,  alte Brötchen und Käsestücke, leichtgewichtige Felsbrocken, Bachläufe, zerlegte Palmen, Schlafstätten und Schafe.

„Sollen wir die nicht hier lassen?“ Das wuseln und treiben der fröhlichen Truppe gerät  bei dieser Frage ins Stocken. „Wir können die Schafe hier entsorgen, wenn wir wollen!“

Wenn wir wollen!? - Wollen wir?

Alle Blicke fallen auf die freundlichen Wesen, die weit gereist sind, schon so mache wilde Schlacht gesehen und selbst bei noch so unangenehmen Vertretern der Spezies Hausmeister ihre Gutmütigkeit nicht verloren haben.

Wollen wir?

Ein schnelles Abgleichen des Für und Wider:

Lieb gewonnen haben wir sie, unsere Schafe. Auch wenn sie recht anfällig sind: sie verlieren ständig Teile ihres Fells oder lassen sich den Kopf verdrehen. Viel Heißkleber muss diese Ausfälle immer wieder richten. Doch: ihre Ausgeglichenheit ist für uns vorbildlich. Nie ein meckerndes Blöken, Widerworte oder gar eine eigene Meinung.

Andererseits:

Welche Zukunft haben sie? Im Bünder Kirchenkeller werden sie ein dunkles Restleben verbringen, bis bei der nächsten großen Aufräumaktion sie dann als alt, grau und verstaubt  doch das Entsorgungsschicksal treffen wird.

Vielleicht kommt auch jemand auf die Idee, diese Tierchen zu nutzen.
Für ein neues Musical – vielleicht… Alles noch in weiter Ferne, aber – wie schnell vergeht die Zeit. Das hieße dann … die Requisite hätte weniger Arbeit!

Gleich weniger Gemeinsamkeit! - Gleich weniger Spaß!!!

„Entsorgen!“

Fast herzlos einstimmig die Entscheidung der Gruppe. Ein letztes, wehmütiges hinterher schauen als die Schafe der großen Müllkippe unweit des Apostelparkplatzes übergeben werden, dann wird schnell weiter gepackt und geladen. Eine letzte Runde schaukeln. Abfahrt. „Tschüß, bis Sonntag.“

Ruhe liegt jetzt über dem Lämmerhof.

Heiteres Lachen – ist doch noch jemand da?

Ach ja, die „Lämmerhofverwalter“ Andreas und Monika bringen ihren Besuch ans Tor. Andreas wirft einen schnellen prüfenden Blick ins Runde, ob alles auch an seinem Platz und der Lämmerhof gut für die Nacht gewappnet ist. An der orangefarbenen Müllkippe stockt der Prüfvorgang. Ruhig liegen die immer noch freundlich schauenden Schafe oben auf dem Müll.

„Oh je, die armen Dinger!“ Schnellen Schrittes eilen Andreas und Monika zu dem Müllbehälter und müssen sich auf die Zehenspitzen stellen um ins Innere zu sehen. Warm wird’s den beiden ums Herz als sie in die schön gemalten Augen der DaGo-Schafe schauen.

Ein schneller Entschluss und unter dem Jubel der Freunde erklimmt Andreas mühsam den Rand der Müllkippe. Wie es sich für einen Lämmerhofverwalter gehört, nimmt er sich der armen Tiere an. Ein Blick genügt: „Sie sind nahezu unversehrt und soo schön!“  findet Monika. „Für unser Weihnachtsspiel soo geeignet. Was für ein Glück.“

Was für ein Glück! Das mögen wohl auch die Schafe auf dem Lämmerhof- Dachboden denken. Und was für Aussichten: Nach soviel Kampfgeschrei bald Glockenklang und Engelssang.