30.08.2007 
Waffenstillstand auf dem Lämmerhof

Von: Caroline Ronsiek

„Wir sind die ersten!“ - „Wann proben wir?“ - „Wo können wir überall schlafen?“ - „Unser Bus hat sich verfahren.“ - „Hat mal einer eine Luftpumpe?“ - „Wo ist denn das Klo?“ - „Dürfen wir schon spielen?“

So schallte es am Samstagmorgen in verschiedensten Variationen über den Lämmerhof in Darfeld. 114 kleine und 22 große Menschen waren mit drei Bussen angereist um ein Wochenende hier zu verbringen. Schon die Fahrt war abenteuerlich – so mancher erreichte den Hof erst auf Umwegen. Das letzte Stück musste zu Fuß bewältigt werden – dank freundlichen Kofferservices zum Glück ohne schweres Gepäck.

Endlich angekommen gab es erst einmal ein großes „Hallo“, denn viele Gesichter hatten sich seit einigen Monaten nicht mehr gesehen. Nun galt es Schlafplätze zu finden – in der großen Scheune auf zwei Etagen, im Festzelt oder auch unter freiem Himmel. Falls nun jemand ein Hauen und Stechen um den schönsten Platz erwartete, so hat er sich getäuscht. In Reih und Glied wie abgemessen, lagen Isomatten, Luftmatratzen und Schlafsäcke nebeneinander. Es war ein fröhliches Gewusel, indem ganz fix jeder seinen Platz fand.

Schon bald waren Menschenkicker, Minigolfplatz und der große Schwebebaum in Aktion, auch auf dem Beachvolleyballfeld tummelte sich Groß und Klein. Wer gerade nichts zu tun hatte, setzte sich auf eine der 150 Bänke die schon Stunden vorher aufgestellt worden waren und verzehrte sein mitgebrachtes Lunchpaket.

Am frühen Nachmittag dann der ersehnte Ausruf „Das Klavier ist da!“ Und damit war dann auch der Startschuss zu ersten Probe gegeben. Probe, warum Probe? – Ach richtig, deshalb waren wir ja hier: Innerhalb des Kindertages am Sonntag sollte unser Musical „David und Goliat“ ein weiteres Mal aufgeführt werden. Als Bühne ein großes Festzelt, ansonsten völlig Open Air. Klar, dass sich da auch die Sonne nicht länger hinter den Wolken verstecken konn-te. Nach und nach fanden sich alle Mitwirkenden auf der Bühne ein um sich erstmal mit bekannten Gassenhauern in Stimmung zu bringen. Mit Klavier und Schlagzeug gar kein Prob-lem. An Spaß und Ausgelassenheit fehlte es auch in der nun folgenden Probe nicht. Texte und Musik klappten noch ziemlich gut und wenn einem Aaron, Elkana oder Goliat die passenden Einsätze fehlten, dann wurde eben schnell improvisiert. Sicher profitierte manch einer davon in der letzten Reihe zu stehen, denn da fällt eben nicht jede Unaufmerksamkeit auf…

Trotz ausgiebiger Kaffee- und Kuchenpause war am Abend die Begeisterung groß, als es hieß: Feierabend, genug geprobt! Liebevolle Hände hatten inzwischen unzählige Tomaten, Möhren, Gurken und Paprika geschnippelt, den großen Grill angefeuert und schläucheweise Suppe erhitzt. Bald sah man überall auf dem Gelände kleine Grüppchen von Kindern sitzen, bewaffnet mit Pappteller, Würstchen und Plastikbecher. Erstaunlich immer wieder, wie reibungslos sich über hundert Personen zusammen gesellten, miteinander redeten, lachten und spielten. Völlig selbstverständlich auch, dass die Größeren den Kleinen halfen – hier ein extra dickes Lob auch euch!

Als besonderes Highlight der Dunkelheit stellten sich hunderte sogenannter „Knicklichter“ heraus. Bald trug jeder solch ein zehn Stunden lang leuchtendes Licht an seinem Arm oder um den Hals. Sie wirbelten auch als Frisbie durch die Luft und wiesen den Weg zum Toilettenhäuschen.

Im Laufe des Abends wurden dann auch die Erwachsenen aktiv - Hochzeitstage wurden besungen und auch begossen. Während die Kinder ihre fast unendliche Freiheit des Abends genossen, war manch einem von uns „Großen“ die Müdigkeit schon anzusehen. Nur zwei Regeln gab es am späten Abend nach einem gemeinsamen Schlussgebet: In den Scheunen ist es leise, wer schlafen möchte, darf schlafen. Und: Morgens ab halb acht wird gefrühstückt, dann müssen alle fit sein.

Obwohl natürlich niemand schlafen wollte, wanderten sie nach und nach durch die Dunkelheit zum Zähneputzen und krochen anschließend in ihre Schlafsäcke. Die einen mit Holzgewölbe oder Zeltdach über sich, die anderen direkt unter dem Sternenhimmel. Noch lange sah man die Knicklichter leuchten, hier und da hin und her huschen, doch irgendwann stand sogar der Schwebebaum still. Lange haben sie gesessen und geredet, schließlich sind dann doch die Augen zugefallen.

Früh am nächsten Morgen weckte uns die Sonne oder auch der schmerzende Rücken. Während die Kinder fix ihre Schlafsäcke und Isomatten verpackten um schnell wieder zu spielen, konnte man so manchen Erwachsenen beobachten, der bewaffnet mit einer Kaffeetasse erst ein paar Dehnübungen nötig hatte. 250 frische Brötchen wurden angeliefert, Butter, Marmelade, Nutella, Käse und Wurst hatten wir selbst besorgt. Dazu kalte Milch, Kakao oder auch Apfelschorle. Einfach herrlich wie friedlich und unkompliziert alles ablief. Um halb neun drehte sich der Wind, das Darfelder Orga-Team übernahm sein Kommando. Der Hof füllte sich mit lärmenden, erwartungsvollen Kindern und Begleitern – der eigentliche Kindertag konnte beginnen. Gottesdienst mit unserem Apostel Schorr, Hamburger futtern, Seilbahn und Trecker fahren, einfach nur Spaß haben.

Bleibt noch zu sagen, dass unsere Musicalaufführung am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein ein voller Erfolg war mit vielen Zuschauern, die nur hin und wieder aufstanden um sich einen Kaffee oder ein Eis zu holen.

„Wollt ihr euch das wirklich antun?“ So fragten uns manche Eltern im Vorfeld. Wir sind froh mit den Kindern dieses Wochenende erlebt zu haben. Es hat sich niemand ernstlich verletzt, das Wetter war ideal und die Stimmung untereinander herrlich entspannt.